Das Ohr - Hörvorgang - Tinnitus

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Durch den äußeren Gehörgang gelangt der Schall zum Trommefell, das durch den Schalldruck in Schwingungen versetzt wird. Die Gehörknöchelchen des Mittelohrs leiten das Schallsignal bis zum Innenohr. Ihre besonder Struktur vermindert den Verlust an Schallenergie durch Reflexion.

In der Hörschnecke (Cochlea) wird die Frequenz und Intensität des Schallsignals analysiert. Durch den Hörnerven wird diese Information schließlich an die auditorischen Zentren des Gehirns weitergegeben. 

Die Form und räumliche Anordung von Hammer, Amboss und Steigbügel gewährleistet eine sehr effiziente Signalweiterleitung durch die Gehörknöchelchen. Besonders wichtig ist der Flächenunterschied von Trommelfell (ca 50 mm²) und Steigbügelplatte (ca 4 mm²). Da Druck = Kraft/Fläche ist, führt diese Flächenreduktion zu einer ca 20-fachen Schalldruckverstärkung. 

Äußeres Ohr

Das äußere Ohr (Auris externa) besteht aus der Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang.

Die Ohrmuschel (Auricula) ist beim Menschen im Grunde ohne Funktion. Die Stellmuskeln, die bei vielen Tieren die Ohrmuschel entsprechend der Richtung des Schalls verstellen können, sind beim Menschen weitgehend zurückgebildet. Die Ohrmuschel besteht aus elastischem Knorpel, der von Haut überzogen wird. Lediglich das Ohrläppchen ist knorpelfrei. Bei Menschen ist eine große Vielfalt an Ohrmuschelformen anzutreffen.

Der äußere Gehörgang (Meatus acusticus externus) ist ein mit Haut ausgekleidetes Rohr von etwa 3-4 cm Länge und 5-10 mm Weite. Er verbindet die Ohrmuschel mit dem Trommelfell. Im äußeren Teil des Gehörgangs, der sich direkt an die Ohrmuschel anschließt, ist die Wand mit elastischem Knorpel versteift. Die Wand der inneren Gehörgangshälfte wird vom Schläfenbein gebildet und besteht somit aus Knochen. Der größte Teil dieser Knochenwand entsteht erst nach der Geburt. Der knorpelige und der knöcherne Teil der Gehörgangswand sind gegeneinander etwas abgeknickt, so dass ein nach unten offener Winkel entsteht. Bei der Untersuchung des Trommelfells mit dem Ohrenspiegel (Otoskop) muss die Ohrmuschel nach hinten oben gezogen werden, um den Knick auszugleichen.

Das Mittelohr

Das Mittelohr mit Paukenhöhle mit Trommelfell und Gehörknöchelchen

Das Mittelohr (Auris media) besteht aus der Paukenhöhle mit dem Trommelfell und den Gehörknöchelchen, Nebenräumen der Paukenhöhle im so genannten Warzenfortsatz und der Ohrtrompete.

Die Paukenhöhle (Cavitas tympanica) ist etwa 3-6 mm breit und hat sechs verschiedene Wände. Sie enthält die drei Gehörknöchelchen, die Hammer, Amboss und Steigbügel genannt werden. Die Gehörknöchelchen dienen dem Übertragen und gleichzeitigen Verstärken der Schallwellen vom Trommelfell auf das Innenohr. Sie sind durch Gelenke miteinander verbunden.

An der seitlichen Wand der Paukenhöhle schließt das Trommelfell (griech. tympanon = Handtrommel) den äußeren Gehörgang gegen die Paukenhöhle ab. Beim Trommelfell handelt es sich um eine etwa 0,1 mm dicke, ovale bis kreisförmige bindegewebige Membran von etwa 1 cm Durchmesser. Sie ist auf der Gehörgangsseite mit äußerer Haut und auf der Seite der Paukenhöhle mit Schleimhaut überzogen. Das Trommelfell kann bei der Ohrspiegelung von außen begutachtet werden. Es glänzt graugelb und lässt Teile der Gehörknöchelchen durchschimmern. Der Hammer ist mit dem so genannten Hammergriff am oberen Teil des Trommelfells angewachsen. Dieser Teil des Trommelfells ist besonders dünn und wird mit dem jeweiligen Druckgefälle ein- oder ausgedellt. Bei einer Entzündung des Mittelohres kann Eiter durch diese dünne Stelle durchbrechen und in den äußeren Gehörgang fließen.

Das Innenohr

Das Innenohr im Felsenbein mit Schneckenlabyrinth und Vorhoflabyrinth

Das Innenohr (Auris interna) wird wegen seines komplizierten Kanalsystems auch Labyrinth genannt. Es ist vollständig in das Felsenbein eingelassen und besteht aus dem Schneckenlabyrinth mit dem eigentlichen Hörorgan und dem Vorhoflabyrinth mit dem Gleichgewichtsorgan. Im Gegensatz zum äußeren Ohr und dem Mittelohr, die beide Luft enthalten, ist das Innenohr mit einer klaren Flüssigkeit, der so genannte Peri- und Endolymphe, gefüllt. Peri- und Endolymphe unterscheiden sich in ihrer chemischen Zusammensetzung.

Der Knochen, in den das Labyrinth eingelassen ist, umschließt es wie eine Gussform die zugehörige Plastik. Die Form seines Hohlraumsystem entspricht somit der Form des Innenohres und wird deshalb auch knöchernes Labyrinth genannt. Zum knöchernen Labyrinth gehören die Schnecke (Cochlea), in die das Hörorgan eingelassen ist, der Vorhof mit den Vorhofsäckchen des Gleichgewichtsorgans, die Knochenkanäle für die Bogengänge und der innere Gehörgang. Der innere Gehörgang (Meatus acusticus internus) ist etwa 1 cm lang und enthält den Hör- und Gleichgewichtsnerven (Nervus vestibulocochlearis, Hirnnerv VIII), den Gesichtsnerven, die Innenohrschlagader und einen Teil der Innenohrvenen. 

Das Gleichgewichtsorgan

Gleichgewichtsorgan mit Vorhofsäckchen und Bogengängen

Das Gleichgewichtsorgan besteht aus zwei Vorhofsäckchen und drei Bogengängen. Die beiden Vorhofsäckchen (Utriculus und Sacculus) enthalten Sinnesfelder mit den Gleichgewichtszellen für die Registrierung geradliniger Beschleunigungen. Die Gleichgewichtszellen tragen Sinneshaare, die in eine Gallertschicht mit kleinen Kalkkörnchen eingebettet sind. Die Kalkkörnchen biegen die Sinneshaare entsprechend der Schwerkraft seitlich ab und erregen so die Gleichgewichtszellen.

Da von den beiden Sinnesfeldern der Vorhofsäckchen jeder Körperseite eines horizontal und das andere vertikal stehen, werden die Sinneshaare entsprechend der Lageänderung des Kopfes unterschiedlich beansprucht.

Die drei Bogengänge dienen der Registrierung von Winkelbeschleunigungen. Sie sind mit Endolymphe gefüllt. Bei Bewegungen des Kopfes drückt die Endolymphe auf Grund ihrer Trägheit gegen eine Gallertkuppel im Bogengang. Die Gallertkuppel wird dabei entgegen der Bewegung des Kopfes abgelenkt. Das Sinnesorgan spricht somit nicht auf Bewegung als solche an, sondern nur auf Änderungen der Geschwindigkeit (Beschleunigung). Die Stärke der Beschleunigung bestimmt das Ausmaß der Ablenkung der Gallertkuppel. 

Das Hörorgan

Das Hörorgan mit Corti-Organ oder Spiralorgan

Das eigentliche Hörorgan wird Corti-Organ oder Spiralorgan genannt. Die ausführliche anatomische Beschreibung geht auf den italienischen Arzt Alfonso Marchese Corti (1822-1888) zurück. Das Corti-Organ liegt innerhalb der knöchernen Schnecke (Cochlea).

Die Schnecke besteht aus drei übereinander liegenden Kanälen, die zur Schneckenform gebogen sind. Diese Kanäle heißen (von unten nach oben) Paukentreppe (Scala tympani), Schneckengang (Ductus cochlearis) und Vorhoftreppe (Scala vestibuli). Sie sind durch dünne Wände (Reissner-Membran und Basilarmembran) gegeneinander abgetrennt.

Der Hörvorgang

Der Hörvorgang: Schallwellen, Ohrmuschel und Gehörgang

Die Schallwellen erreichen das Hörorgan hauptsächlich über die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang, der am Trommelfell endet. Die Schalldruckschwankungen versetzen das Trommelfell in Schwingungen, die sich über die Gehörknöchelchen in der Paukenhöhle auf die Membran des ovalen Fensters übertragen. Dort beginnt das Innenohr.

Die Aufgabe der Gehörknöchelchen ist es, den Schall möglichst verlustarm von einem Medium mit niedrigem Wellenwiderstand (Luft im Außen- und Mittelohr) zu einem Medium mit hohem Wellenwiderstand (Lymphe im Innenohr) zu übertragen. Ohne diesen "Impedanzwandler" (lat. impedire = hindern) würde ein Großteil der Schallenergie am ovalen Fenster zurückgeworfen werden. Werden die Gehörknöchelchen zerstört, kommt es deshalb zu einer Verminderung des Hörvermögens um etwa 20 dB (Schallleitungsschwerhörigkeit).

Die Impedanzwandlung entsteht u.a. dadurch, dass der Schall von einer großen Fläche (Trommelfell) auf eine kleine Fläche (ovales Fenster) übertragen wird und dass die Hebelkonstruktion der Knöchelchen die Kraft erhöht. Diese Verstärkerwirkung ist von der Tonhöhe abhängig. Die beste Verstärkung erfolgt im Bereich der Eigenschwingungszahl des Trommelfells zwischen 1000 und 2000 Hz, also im Bereich der menschlichen Sprache.

Die beiden mit Perilymphe gefüllten Räume des Innenohres, die Paukentreppe und die Vorhoftreppe, grenzen an die innere Wand der Paukenhöhle. Die Vorhoftreppe beginnt am ovalen Fenster und die Paukentreppe endet am runden Fenster dieser Wand. Die von der Paukenhöhle auf die Membran des ovalen Fensters übertragenen Schwingungen führen zu einer Bewegung der Perilymphe in der Vorhoftreppe. Da Vorhof- und Paukentreppe am Schneckenloch miteinander verbunden sind, überträgt sich diese Bewegung auch auf die Perilymphe in der Paukentreppe, wodurch die Membran am runden Fenster ausgelenkt wird. Das runde Fenster dient somit dem Ausgleich des Drucks, der durch die Schwingungen der Perilymphe entsteht.

Der Hörvorgang: Schallwellen, Ohrmuschel und Gehörgang

Die Bewegungen der Perilymphe werden über eine Auslenkung der Reissner- und Basilarmembran auch auf die Endolymphe im Schneckengang übertragen. Da diese Bewegungsübertragung wellenförmig erfolgt (entsprechend der Form der ankommenden Schallwellen) wird auch von Wanderwellenausbreitung gesprochen. Dabei nehmen Geschwindigkeit und Länge der Wanderwelle entlang des Weges durch die Schnecke ab. Ihre Amplitude (Auslenkung) dagegen wächst, so dass es zu einer Art "Brandung" der Welle kommt. Der Ort dieser maximalen Auslenkung ist von der Tonhöhe des ankommenden Schalls abhängig. Jeder Schallfrequenz ist somit eine bestimmte Stelle des Schneckengangs zugeordnet.

Die Bewegungen der Endolymphe im Schneckengang bewirken eine Verschiebung der Tektorialmembran gegenüber der Basilarmembran. Da die Sinneszellen (Haarzellen) mit ihrem unteren Ende auf der Basilarmembran verankert sind und mit ihrem oberen Ende in die Tektorialmembran hineinragen, führt die Bewegung der beiden Membranen gegeneinander zu einer Auslenkung der Sinneshaare auf den Sinneszellen. Diese Auslenkung verursacht eine Erregung der Sinneszellen, die als elektrisches Signal über die Fasern des Hörnervs zum Gehirn weitergeleitet wird. Wie bereits erläutert, ist jeder Schallfrequenz eine bestimmte Stelle des Schneckengangs zugeordnet, an der die Endolymphe maximal ausgelenkt wird. Dementsprechend kommt es zu einer Erregung nur bestimmter Sinneszellen in Abhängigkeit von der Tonhöhe des ankommenden Schalls. Auf diese Weise können Tonhöhenunterschiede wahrgenommen werden.

Erwähnt werden sollte, dass die inneren Haarzellen nicht nur Signale ans Gehirn abgeben, sondern bei einem Schallereignis ihrerseits auch Signale vom Gehirn empfangen. Dies führt im Ergebnis zu einer Empfindungsverstärkung. Eine Schädigung der Haarzellen durch laute Schallereignisse bzw. hohe Schalldrücke führt zur Innenohrschwerhörigkeit.

Der Tinnitus (Ohrgeräusche)

Etwa sieben Millionen Menschen in Deutschland leiden an Ohrgeräuschen (Tinnitus). Diese Krankheit lässt viele Patienten depressiv werden, weil es den Zustand der Stille in ihrem Leben nicht mehr gibt. Nach einer kurzen oder längerfristigen Schädigung geben die kleinen Sinneshärchen im Innenohr falsche Impulse an den Hörnerven und das Gehirn weiter, die vom Patienten als schrille, pfeifende oder plätschernde Geräusche wahrgenommen werden. Das Phänomen Tinnitus ist schon seit der Antike bekannt. Auch Martin Luther litt darunter und glaubte an eine Machenschaft des "zottichen Gesellen aus der Höllen". Man vermutet, dass auch der Maler Vincent van Gogh von Tinnitus betroffen war und sich aus Verzweiflung über das Pfeifen das rechte Ohr abschnitt.

Ursachen

Der Hörsturz ist nur ein Auslöser von Tinnitus. Mittel- und Innenohr können Ausgangspunkt der Beschwerden sein. In erster Linie kommt aber eine Schädigung des Innenohres durch Lärmbelastung in Betracht. Es muss nicht erst ein "Knalltrauma" beim Silvesterfeuerwerk oder die Dauerfolter eines Presslufthammers sein, die das Ohr streiken lassen. Auch unterhalb der anerkannten Schädigungsgrenze von 85 dB können Schäden auftreten, insbesondere dann, wenn der Lärm oder die Geräuschkulisse als störend empfunden werden. Bei einer chronischen oder akut auftretenden Durchblutungsstörung (Hörsturz) oder einer plötzlichen Schwindelattacke (M.Meniere) kann ein Tinnitus Begleiter sein.

Immer kommt es bei Tinnitus zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Innenohres, die zu der beschriebenen Irritation der Sinneshärchen führt. Auch andere Krankheiten des Körpers machen vor dem Ohr nicht Halt und haben Einfluss auf dessen Funktion: Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und zu hoher Blutdruck (die Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen) sowie Allergien, Unverträglichkeiten gegenüber Medikamenten, Erkrankungen der Halswirbelsäule und des Herz-Kreislauf-Systems.

Objektiver Tinnitus und subjektiver Tinnitus

Zwei Arten von Ohrgeräuschen sind zu unterscheiden: Die einen werden in Umgebung des Ohres tatsächlich ausgelöst, zum Ohr fortgeleitet (siehe Ohr und Hörvorgang) und z.T. vom Arzt mit seinem Stethoskop auch gehört (objektiver Tinnitus).

Die anderen nimmt der Patient nur selbst wahr, als wären sie real (subjektiver Tinnitus). Hier geben die kleinen Sinneshärchen die falschen Signale zum Hörzentrum des Gehirns weiter. Schallphänomene können im Kopf auch entstehen, wenn die Kiefergelenkknochen aufeinander reiben, deshalb muss immer auch eine zahnärztliche Abklärung erfolgen; oder wenn evt. unbewusste Kau- oder Knirschbewegungen hinzukommen; wenn sich in seltenen Fällen Verspannungen an den Muskeln von Gaumensegel und Mittelohr einstellen; oder wenn die Gehörknöchelchen des Mittelohres versteifen; wenn Veränderungen an den Blutgefäßen auftreten: z.B. bei geschlängeltem Verlauf, bei der Erweiterung von Adern oder der Verbindung zweier Gefäße, sind Ohrgeräusche möglich; hier hört man ein regelmäßiges Pochen synchron zum Herzschlag. Auch wenn eine "Blutarmut" (Anämie) besteht, ist ein strömendes Geräusch des Blutes zu hören (im Volksmund "Nonnen-sausen " genannt). In seltenen Fällen ist eine Geschwulst am Hörnerven verantwortlich. Auch harmlose Dinge wie ein Pfropf aus Ohrenschmalz, der den Gehörgang verschließt, oder ein Paukenerguss bei einer Erkältung können vorübergehend störende Ohrgeräusche auslösen.

Für alle subjektiv empfundenen Geräusche wie Tinnitus gilt, dass seelische Befindlichkeiten großen Einfluss auf das Einsetzen und die Wahrnehmung von Ohrgeräuschen haben; Gelassenheit und Ausgeglichenheit setzen die Toleranzschwelle herauf, Stress, Unruhe und Ängste verstärken die Wahrnehmung ungemein. 

Weitere Ursachen und Auslöser von Tinnitus

Virusinfekte
Gefäßveränderungen als Ursachen von Tinnitus Gefäßveränderungen im Innenohr ( z.B.im Rahmen der allgemeinen Arteriosklerose, bei Diabetes mellitus, der ja besonders ganz kleinen Gefäße verändert, bei seltenen Entzündungen der Gefäßwände auf dem Boden einer Autoimmunerkrankung usw.) Hier kommt es dann zum plötzlichen Gefäßverschluss mit Bildung von Blutgerinnseln, so dass die Durchblutung des Innenohres gestoppt wird.

  • Stress: Hier werden vermehrt Katecholamine (Adrenalin) ausgeschüttet, die zu Gefäßkrämpfen führen und die Durchblutung des Innenohres drosseln oder ganz unterbinden. Von Dauer und Ausmaß dieser Krämpfe hängt es ab, ob die Symptome anhalten und ob eventuell Schäden zurückbleiben.
  • Einblutungen und Verletzungen: Blutdruck als Auslöser von Tinnitus Zu niedriger oder zu hoher Blutdruck;
  • Verschleisserscheinungen: Verschleiss Verschleisserscheinungen der Halswirbelsäule mit Durchblutungsminderung der Innenohrregion usw. 

Die Tinnitus Akutphase

In der Tinnitus Akutphase sind durchblutungsfördernde Infusions-Maßnahmen die Standardtherapie. Sie müssen möglichst schnell eingeleitet werden. Eine Ruhigstellung des Betroffenen ist ebenfalls ganz wichtig. Weitere ergänzende Verfahren der Naturheilkunde wie auch die hyperbare Sauerstofftherapie werden diskutiert und unterschiedlich gut bewertet. Wichtig ist, dass in den ersten Stunden überhaupt reagiert und eine ärztliche Untersuchung und Behandlung eingeleitet wird. Die Therapieerfolge in den ersten Stunden werden in der Literatur mit bis zu 90% angegeben und auch in den ersten drei Tagen noch als sehr günstig beurteilt. Die Spontanheilungsrate des Tinnitus beträgt bis zu 30%.

Die chronische Tinnitus Erkrankung

bullet Bei der chronischen Tinnitus Erkrankung kann die hyperbare Sauerstofftherapie als ergänzende Möglichkeit versucht werden: Es handelt sich um ein sehr altes Verfahren, das sich zunehmender Beliebtheit in der sonst oft so ausweglosen Tinnitustherapie erfreut. Man simuliert in einem Schein-U-Boot einen Tauchgang von 15 m Tiefe, bei dem die Patienten über Masken 100 %-igen Sauerstoff einatmen. Der Gehalt an im Blut gelöstem Sauerstoff soll maximal gesteigert, die Sauerstoffversorgung im Innenohr verbessert und die Regeneration der Sinneszellen angeregt werden. Viele Patienten geben nach der Behandlung an, dass sich die Intensität ihres Ohrgeräusches nach subjektivem Empfinden verringert habe. Dies lässt sich jedoch schlecht objektivieren, da es sich ja um eine persönliche Wahrnehmung handelt und der Arzt auf die Angaben seines Patienten angewiesen ist. Allzu rosige Erfolgsquoten sollte man in jedem Falle hinterfragen. Besteht die Tinnitussymptomatik fort, so richtet sich das Behandlungsziel im Wesentlichen darauf, die Beschwerden zu lindern und für den Patienten erträglicher zu machen. Auch hier gibt es noch Hoffnung, man braucht sich seinem Schicksal nicht passiv zu beugen.

  • Maskierung des Tinnitus mit Hilfe sog. "Masker": Sie sehen aus wie kleine Hörgeräte und bringen in den meisten Fällen Erleichterung. Individuell auf den Patienten und die Frequenz seines Ohrgeräusches abgestimmt,senden die Geräte programmierte Töne aus, die die Phänomene des Innenohres übertönen sollen. In enger Zusammenarbeit von Ärzten und Akkustikern kann eine optimale Anpassung erfolgen, und der Kranke verspürt Linderung
  • Stressfaktoren und seelische Befindlichkeitsstörungen erschweren den gesamten Empfindungseindruck und verstärken alle Sinneswahrnehmungen (auch den Tinnitus). Das Hörsystem trägt den Hauptteil der Belastung. Deshalb ist es so wichtig, eine individuelle Therapie zur körperlich - seelischen Entspannung und zur Bewältigung der Hörphänomene zu wählen. Welche Behandlungsmethode man auch wählt: Immer ist auch eine Analyse der eigenen Lebensumstände, der eigenen Persönlichkeitsstruktur und der Stress auslösenden Situationen wichtig. Nur eine bewusste Verhaltensänderung unter Anleitung wird zu einer besseren Bewältigung schwieriger Alltagssituationen führen und die quälende Symptomatik lindern.Eine kurzfristige Einbeziehung des Partners in die psychologische Betreuung kann sinnvoll sein, damit er die Ängste und Belastungen besser verstehen und bei deren Bewältigung einfühlsamer helfen kann.
  • Ganzkörperentspannung und Bewegungstherapie zur körperlichen Selbsterfahrung und -entwicklung Feldenkreis etc.
  • Retraining - Gewöhnungstherapie: Aus England kommt dieses relativ neue Verfahren, das in Deutschland jetzt eingeführt wird. Es ist mit einer Desensibilisierung bei den Allergikern vergleichbar.Stufenweise wird der Betroffene mit seinem Tinnitusgeräusch konfrontiert. Er soll lernen, das Geräusch zu akzeptieren als einen Teil seines Hörens und zu tolerieren , es später dann durch eine Filterung seiner Wahrnehmung gar nicht mehr bewusst zu hören. Nähere Auskünfte bei der Tinnitus-Liga.
  • Musiktherapie: Unser Gehirn ist in der Lage, Töne und akustische Reize allgemein zu filtern und je nach ihrer Bedeutung unterschiedlich stark bzw. gar nicht wahrzunehmen. Bereits vor mehr als 50 Jahren hat Prof. Tomatis aus Paris herausgefunden, dass das Wahrnehmungsvermögen unseres Gehirns und die Filterung von Höreindrücken insbesondere für hohe Töne trainierbar sind. Diese Erkenntnis macht man sich in der Musiktherapie des Tinnitus zunutze. Dem Patienten wird klassische Musik vorgespielt, meistens ein Violinkonzert von Mozart; bei gleicher Tonhöhe tritt ein Ton auf, der in seiner Frequenz dem Tinnituston entspricht, so wird ein dem Tinnitus ähnliches Störsignal in die Musik eingebaut. Was zuerst als lästige Störung der Musik empfunden wird, soll später durch das Training überhört und nur noch abgeschwächt wahrgenommen werden. Das sog. Mentale Musik-Motivationstraining (entwickelt von M. Kusatz u. Mitarb.) verwendet eine ursprünglich für Schmerzpatienten zusammengestellte und individuell variierbare Klangkomposition. Sie soll Entspannung durch Musik bieten und verzichtet auf das oben beschriebene tinnitusähnliche Störelement bei der Musikwahrnehmung. Ziel ist eine verstärkte Selbstkontrolle des Patienten und eine Veränderung seiner Verhaltensweisen, die er selbst als nicht richtig erkannt hat. Ein Kassette wird wie ein Medikament für den Bedarfsfall mit nach Hause gegeben. Einige Krankenkassen übernehmen inzwischen die Kosten für die zweiwöchige ambulante Therapie